Wie kleine Kommunen attraktiv bleiben und werden

Bleiben, Zurückkommen, Ankommen

Der demografische Wandel, Abwanderung junger Menschen und Fachkräftemangel stellen kleine Kommunen vor zentrale Herausforderungen: Wie gelingt es, Menschen zu halten, zurückzuholen oder neu zu gewinnen? Klar ist: Günstige Mieten und schöne Natur reichen längst nicht mehr aus. Attraktivität entsteht dort, wo Menschen willkommen sind, wo sie berufliche Perspektiven finden, sich engagieren können und das Gefühl haben, gebraucht zu werden. Erfolgreiche Programme für Zuziehende und Rückkehrende setzen deshalb nicht nur auf Imagekampagnen, sondern auf gute Lebensbedingungen, individuelle Begleitung, digitale Sichtbarkeit und starke Netzwerke.

Ländliche Orte brauchen keine Leuchtturmprojekte – sie brauchen Leuchtfeuer, die Orientierung geben. – aus dem Netzwerk "Heimvorteil HSK"

Zurückkommen ist kein Scheitern – es ist eine Entscheidung für das, was wirklich zählt.– Rückkehrerin aus dem Projekt „Heeme Fehlste“, Spremberg

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Summer of Pioneers in Herzberg(Elster)

Kommunale Herausforderungen

Kommt ins Netzwerk

Was bietet das Starke Orte Netzwerk?

Bleibe- und Rückkehrstrategien müssen zur jeweiligen Kommune passen – es gibt kein Patentrezept. Im Starke Orte Netzwerk können sich Kommunen gegenseitig inspirieren, voneinander lernen und Erfahrungen austauschen: Wie wurde Öffentlichkeitsarbeit aufgebaut? Welche Förderprogramme haben geholfen? Wie werden Fachkräfte angesprochen?

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Ansätze für Rückkehr- und Bleibestrategien

Kleine Kommunen, die dem Trend von Abwanderung und Überalterung aktiv entgegentreten möchten, brauchen mehr als punktuelle Maßnahmen. Nachhaltige Rückkehr- und Bleibestrategien setzen auf ein durchdachtes Zusammenspiel aus persönlicher Ansprache, struktureller Unterstützung und strategischer Kommunikation. 

Die folgenden Handlungsfelder haben sich in der Praxis bewährt

  • Lebensphasenorientierte Ansprache (z. B. junge Familien, Rückkehrende nach Ausbildung, digitale Nomad*innen)

  • Aufbau von Datenwissen über potenzielle Rückkehrer*innen

  • Persönliche Ansprechpartner*innen oder Stabsstellen für Zuzug

  • Unterstützung bei Wohnungssuche, Jobvermittlung, Kita-Plätzen

  • Beteiligung und Teilhabe: Vereine, Ehrenamt, kulturelle Orte aktiv einbeziehen

  • Begrüßungspakete, Willkommensveranstaltungen, Rückkehrertage

  • Moderne, authentische Webseiten und Social Media

  • Rückkehrportale, Jobbörsen, Erfahrungsberichte von Rückkehrer:innen

  • Kooperation mit lokalen Betrieben zur Fachkräftebindung

  • Neue Arbeitsformen fördern: Coworking-Spaces, innovative Branchen, lokale Produktion, Pendler-Modelle, mobiles Arbeiten

  • Zusammenarbeit mit Nachbarkommunen, Landkreisen und Tourismusverbänden

  • Nutzung bestehender Programme zur Strukturförderung

Praxisbeispiele

Erfolgreiche Initiativen

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Hier gibts Freiraum

Freiraum für Macher*innen (Fichtelgebirge, Bayern)

Der Landkreis Wunsiedel in Nordbayern, eine unserer Transferregionen, wirbt mit einer sehr kreativen Kampagne und Imagefilmen ganz gezielt für engagierte Macher*innen, Kreative und innovative Sozialunternehmer*innen. Dahinter steht ein breites Unterstützungsangebot von Podcast und Gründungsberatung, Bauberatung und Immobilienbörse bis Marketing.

„Heeme Fehlste“ (Spremberg, Brandenburg)

Eine Rückkehrkampagne mit emotionalem Storytelling und viel Herzblut. Persönliche Geschichten, Plakatkampagnen und Videoclips zeigen: Spremberg ist Heimat. Rückkehrende werden aktiv begleitet – bei Jobsuche, Wohnraum, Kinderbetreuung. Zum Service gehören auch eine Willkommensbox oder diverse Angebote für Begegnung. Die Initiative konnte so gezielt Fachkräfte gewinnen, darunter auch fünf Ärzt*innen. “Heeme Fehlste” wird durch ein starkes Netzwerk aus Verwaltung, Wirtschaft und Kultur getragen und über das Programm “STARK” gefördert.

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Kampagne aus Spremberg I Foto: heeme fehlste

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Grüne Perspektiven in Bad Berleburg

„Einfach Ankommen“ (Bad Berleburg, NRW)

Die Stadt Bad Berleburg betreibt über einen Jungendverein eine eigene Stabsstelle für Rückkehr und Zuzug. Diese fungiert als zentrale Anlaufstelle und bietet individuelle Begleitung – von der Wohnraumsuche über Kitaplätze bis zum beruflichen Anschluss. Die Stabsstelle fungiert als Lotsin in alle Lebensbereiche und arbeitet eng mit Unternehmen und Institutionen zusammen. Besonders hervorzuheben sind innovative Ansätze wie der Erhebungsbogen, Azubi-WGs, generationenübergreifendes Home-sharing. Die Initiative ist eingebettet in ein regionales LEADER-Projekt.

„Stadt der Zukunft auf Probe“ (Görlitz, Sachsen)

In Görlitz können potenzielle Rückkehrer*innen und Neuzuziehende einen Monat lang kostenfrei zur Probe wohnen und das Leben vor Ort kennenlernen. Begleitend dazu gibt es Stadtführungen, Arbeitgeberkontakte und Freizeitangebote. Das Projekt schafft eine realistische Entscheidungsgrundlage – mit guter Erfolgsquote und wird wissenschaftlich begleitet.

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Probewohnen in Görlitz I Foto: IÖR

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„Dein Jahr in Loitz“ (Mecklenburg-Vorpommern)

Das Modellprojekt lud junge Erwachsene ein, ein Jahr lang in Loitz zu wohnen und sich in in der Aktivierung eines leerstehenden Gebäudes zu engagieren. Neben kostenlosem Wohnraum und einem kleinen Gehalt erhalten sie kreative Freiräume und individuelle Begleitung. Das Projekt hat sich verstetigt und stärkt die Sichtbarkeit der Region auch überregional.

„Heimvorteil HSK“ (Hochsauerlandkreis, NRW)

Ein professionell gestaltetes Rückkehrportal mit persönlicher Beratung, Jobbörse und Rückkehrer-Geschichten. Die Plattform verknüpft Informationen mit echten Gesichtern und wird durch die Kreisverwaltung in Kooperation mit der Wirtschaftsförderung betrieben.

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Karrierenetzwerk im Sauerland I Foto: heimvorteil

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PerleBÄm - Festival für Straßenkunst in Perleberg I Foto: elblandwerker

„Elblandwerker“ (Prignitz, Brandenburg)

Die Elblandwerker sind ein Netzwerkprojekt, das Rückkehrer*innen, Kommunen, regionale Unternehmen und engagierte Bürger*innen zusammenbringt. Es entstand als Folgeprojekt des “Summer of Pioneers” in Wittenberge. Die Elblandwerker helfen Interessierten dabei, sich in der Prignitz niederzulassen, bieten Vernetzungsmöglichkeiten und betreiben einen Coworking Space. In Kooperation mit der Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Wittenberge bieten sie Probewohnen an, bei dem Interessierte das Leben in der Prignitz für eine Woche oder mehrere Monate testen können. Sie organisieren kulturelle Veranstaltungen und bieten mit dem Stadtsalon Safari einen Raum für Begegnungen und kulturellen Austausch.

Erkenntnisse aus der Forschung

Neben konkreten Projekterfahrungen zeigen auch Studien und Modellprojekte aus ganz Deutschland, worauf es beim Aufbau erfolgreicher Rückkehr- und Bleibestrategien ankommt. Sie machen deutlich: Es braucht mehr als nur gute Ideen – nämlich langfristiges Engagement, strukturelle Unterstützung über Kommune und weitere städtische Akteure und die Fähigkeit, auf eigene regionale und lokale Besonderheiten einzugehen.

Zentrale Erkenntnisse

Menschen ziehen nicht wegen des Marketings, sondern wegen realer Perspektiven für sich um.

Lebensqualität, Wohnumfeld, soziale Bindung, Nähe zur Familie und Natur spielen eine zentrale Rolle.

Wer online nicht auffindbar ist, wird bei Lebensentscheidungen nicht mitgedacht.

Attraktive Kleinstädte profitieren vom Zusammenspiel mit ihrem Umland (Mobilität, Bildung, Versorgung).

Zivilgesellschaftliche Communities und engagierte Einzelpersonen bieten ein attraktives Ankommensnetz und Angebote, die die Kommune von sich aus nicht bieten und stemmen kann.

Projekte wie „PopUp Prignitz“, “Summer of Pioneers”, Wohnen auf Probe oder temporäre Kulturorte schaffen echte Begegnung und Sichtbarkeit.